Delattinia News

Blaue Myxomyceten

Datum: 

24.08.2021

Ort: 

Lautzkirchen
Ceratiomyxa bei Lautzkirchen
Blaue Ceratiomyxa bei Lautzkirchen. - Foto K. Hofmann

Ganz in Blau kamen sie daher, obwohl es so etwas eigentlich laut Lehrbuch gar nicht gibt. Im Schwarzweiherflusstal bei Lautzkirchen entdeckte K. Hofmann von den Pilzfreunden Saar-Pfalz kleine türkisblaue Perlen auf einem Baumstumpf am Bach. Vom Aussehen zweifelsfrei ein Myxomycet, aber die Art war aufgrund mangelnder Reife zunächst nicht bestimmbar. Beim Nachreifen zu Hause entpuppte sich der blaue Schleimpilz als eine im feuchten Frühjahr sehr häufige Art, Ceratiomyxa fruticolosa var. porioides. Diese Art ist normalerweise in weiß oder gelb fruktifizierend, so auch großflächig am umliegenden Totholz.

Eine Nachfrage bei den Autoren des Standardwerkes „Myxomyceten“, Karl-Heinz Baumann und Wolfgang Nowotny, brachte zwar keine Erklärung für eine solche Blaufärbung; aber großes fachliches Interesse. Kurz darauf wurde mir über einen weiteren blauen Fund aus Mittelfrankreich berichtet; ein paar Tage darauf schickte mir W. Nowotny das Bild eines weiteren blauen Schleimpilzes aus der Nähe von Graz, und aktuell erhielt ich eine Information über eine offenbar blaue Arcyria aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd. Die Aussagen der Schleimpilzspezialisten lauten alle gleich:  „nie gesehen“.

Es handelt sich jeweils um verschiedene Arten, so dass eine artliche Farbabweichung bei Ceratiomyxa ausgeschlossen werden kann. Weltweit wurde einmal 2019 aus Kanada über einen blauen Fund berichtet und im Internet veröffentlicht. Bislang hat niemand eine Erklärung für die hierzulande erstmals aufgetretenen türkisblauen Färbungen von Plasmodien gefunden. Schleimpilzsucher sind nun aufgerufen, die Augen offen zu halten und nach weiteren blauen Exemplaren Ausschau zu halten.

Bisher liegen keine ausgereiften blauen Fruktifikationen vor, an denen weitere Untersuchungen angestellt werden können, um dieses Phänomen aufzuklären.

Autor(en): 

Marion Geib

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Neue seltene Myxomyceten im Saarpfalzkreis

Datum: 

24.08.2021
Neue seltene Myxomyceten im Saarpfalzkreis

Ort: 

Saar-Pfalz-Kreis
Diderma donkii
Diderma donkii bei Lautzkirchen. - Foto: Marion Geib

In den letzten 12 Monaten wurden drei weitere sehr seltene Exemplare von Myxomyceten im Saarpfalzkreis gefunden. Es handelt sich einmal um Symphytocarpus amaurochaetoides, der im Altstadter Wald bei Kirkel zwei Mal aufgetreten ist; daneben wurde in der Nähe des Altstadter Friedhof eine seltene Variante der Stemonitopsis typhina, nämlich die var. similis entdeckt. Als dritte seltene Art wurde unweit der blauen Ceratiomyxa in Lautzkirchen eine größere Ansammlung von Diderma donkii erfasst.

Autor(en): 

Marion Geib

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Ein Nachweis der Springspinne Leptorchestes berolinensis (C. L. Koch, 1846) im Saarland

Datum: 

20.04.2021

Ort: 

Siersburg

Leptorchestes berolinensis ist eine sehr seltene Springspinnenart, die in Deutschland nur an wenigen Stellen vorkommt. In den Nachweiskarten der Arachnologischen Gesellschaft wird die Art für 22 Meßtischblätter angegeben. 17 Meßtischblätter liegen im Rheintal von Basel bis Bacherach, zwei am Main und eine etwas ältere Meldung (1960-1969) stammt aus der Gegend von Bautzen. Die älteste Meldung stammt vom Kaiserstuhl (Golder 1921).  Für die letzten 20 Jahren gibt es nur dokumentierte Funde aus dem Oberrheingraben zwischen Basel und Karlsruhe. Mir ist die Art weder auf meinen zahlreichen Exkursionen ins Weinanbaugebiet an der unteren Nahe, noch auf die Trockenhänge in Lothringen begegnet. Auch im Unterlauf der Mosel von Perl bis Koblenz habe ich sie nie gefunden. 

Am 20.04.2021 wollte ich eigentlich nur einige Ameisen von den Mauern der Ruine Siersburg absammeln, als mir ein etwas größeres Exemplar zwischen den mittelgroßen Ameisen auffiel. Beim genauen hinsehen erkannte ich dann eine ameisenartige, auffällig große Springspinne. Es handelte sich um ein ausgewachsenes Weibchen des Großen Ameisenspringers, Leptorchestes berolinensis.

In ihrem Aussehen und Verhalten ahmt die Art Ameisen nach, eine Tarnungsmethode, die auch von anderen Springspinnengattungen, z.B. den Gattungen Synageles und Myrmarachne, genutzt wird.  Aber auch andere, nicht näher verwandte Gattungen, tarnen sich gerne als Ameisen. 

Literatur: 

Nachweiskarte der Arachnologischen Gesellschaft

Golder, F. (1921): Von drei Spinnen im Breisgau. – Mitteilungen des badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz 1: 135–136

Autor(en): 

A. Staudt

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Erster Nachweis vom Steirischen Fanghaft - Mantispa styriaca (PODA, 1761) im Saarland

Datum: 

23.08.2020

Ort: 

Heckendalheim, Otto-Walle Straße, an einer Hauswand
 Steirischer Fanghaft - Mantispa styriaca
Steirischer Fanghaft - Mantispa styriaca in Heckendalheim (Saarland)
 Steirischer Fanghaft - Mantispa styriaca
Steirischer Fanghaft - Mantispa styriaca in Heckendalheim (Saarland)

Der „Steirische Fanghaft“ (Mantispa styriaca) ist zusammen mit dem nah verwandten „Verwechselten Fanghaft“ (Mantispa aphavexelte) einer der beiden in Mitteleuropa vorkommenden Arten. Nachdem der „Verwechselte Fanghaft“ jetzt schon mehrfach im Saarland nachgewiesen wurde z. B. in Saarfels (2005), Nunkirchen und Reichenbrunn (2019), konnte jetzt durch Jürgen Wiesmeier an einer Hauswand der „Steirische Fanghaft“ fotografiert und belegt werden. Das ist eine kleine Sensation, denn es handelt sich nach 42 Jahren (letzter Nachweis 1978 in Nordthüringen (Utleb, 1991)) um einen bestätigenden rezenten und überprüfbaren Nachweis dieser Art in Deutschland. Damit sind im Saarland alle nördlich der Alpen bekannten Arten der Fanghafte aktuell nachgewiesen. Im Bundesland Rheinland-Pfalz gibt es mittlerweile (2011) auch einen publizierten Nachweis vom „Verwechselten Fanghaft“ vom Bausenberg bei Niederzissen (Niehuis et al. 2014).

Literatur: 

Niehuis, M. (2006): Der Steirische Fanghaft Mantispa styriaca (PODA, 1761) in Rheinland-Pfalz? (Netzflügler [Neuroptera = Planipennia]: Mantispidae). - Fauna Flora Rheinland-Pfalz 10: Heft 4, 2006, S .1303-1314. Landau

Manfred Niehuis, Alexander Blanke & Ralph S. Peters (2014): Der Verwechselte Fanghaft (Mantispa aphavexelte U. Aspöck et H. Aspöck, 1994) in Rheinland-Pfalz nachgewiesen (Neuroptera: Mantispidae).  - Fauna Flora Rheinland-Pfalz 12: Heft 4, 2014, S. 1393–1402.

UTHLEB, H. (1991): Ein Fund des Steirischen Fanghaft Mantispa styriaca (PODA, 1761) (Planipennia: Mantispidae) in Nordthüringen. - In: Faunistische Notizen 422. Entomologische Nachrichten und Berichte 35 (2): 135-136. Dresden.

Autor(en): 

Andreas Werno

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